Neue Heizungen braucht das Land

Staub- und zugfreie, behagliche Wärme zu vertretbaren Kosten bei geringem Energieverbrauch ist das Ziel einer modernen Heizungsanlage. Das Interesse der Bewohner ist „bezahlbare Behaglichkeit“ – ohne sich groß um das „Wie“ zu kümmern. Die Nutzer möchten sich wohlfühlen. Sie wollen weder Hydraulikdetails verstehen noch an komplizierten Regelungssystemen scheitern.

Mit Hinweis auf die erste Energiekrise (autofreier Sonntag) und das gesamtgesellschaftliche Ziel des Klimaschutzes ist die Frage erlaubt, was ist heizungstechnisch in den letzten, ca. 30 Jahren passiert. In der Wärmeerzeugung gibt es kaum und in der Wärmeverteilung/-übergabe noch weniger Innovationen. Provokativ könnte man sagen: „Heizungen sind komplizierter und trotz niedrigerem Wärmebedarf der Gebäude teurer geworden.“

Diese Entwicklung aus Sicht der Nutzer widerspricht dem digitalen Zeitalter, in dem fast „alles“ preiswerter, schneller, einfacher und effizienter wird.

Fußbodenheizungen besitzen Vorteile im Bereich freier Innenarchitektur, im Energieverbrauch und in der thermischen Behaglichkeit. Die Kinderkrankheiten aus den 80er Jahren sind abgearbeitet: „Diffusionsdichte Heizungsrohre sorgen für Korrosionsfreiheit, zu hohe Oberflächentemperaturen gibt es nicht mehr und Spannungsrisse bei den Kunststoffrohren sind Geschichte. Es sind neue Heizrohrbefestigungen entwickelt – von der Stahlmatte, über die Klippschiene, die Tacker- und Klettsysteme bis hin zu Systemplatten aus unterschiedlichen Dämmstoffen. Diese Innovationen sorgen für höhere Umsätze und für kürzere Montagezeiten. Für die Wärmeübergabe in dem Raum war diese Entwicklung irrelevant. In den 80er Jahren bei Marktanteilen < 10 % galt die Fußbodenheizung noch als teuer und luxuriös, sie stand 2016 bei über 70 % im Marktanteil und ist aufgrund des Wettbewerbs zu einem preiswerten Wärmeübergabesystem geworden.

Die aktuellen Wärmeerzeuger, wie Brennwertgeräte und Wärmepumpen, arbeiten bekanntlich umso effizienter, je niedriger die Heizwassertemperatur zur Erreichung der geforderten Raumtemperatur sein kann. Optimale Heizwassertemperaturen sind von 30° bis max. 35°C.

Für die zu erwärmende Masse des Estrichs ist dies jedoch kontraproduktiv, da die Zeitspanne des An- und Abheizens immer noch viel Zeit beansprucht. Aufgrund dieser Trägheit hat sich die Fußbodenheizung somit zu einer „Konstant-“ statt zu einer „Bedarfsheizung“ stabilisiert. Die gewünschte temporäre Anpassung durch innovative Regelsysteme ist kaum möglich, weil die Estrichmasse dafür zu groß ist. In einer ca. 100 m² großen Wohnung müssen ca. 5 m³ Estrich/Beton aufgeheizt werden, bevor Wärme an den Raum abgegeben wird.

Weder Brennwertgeräte noch Wärmepumpen verfügen über eine Schnellaufheiz-Funktion, mit der ca. 50°C warmes Heizwasser unmittelbar in die Räume geführt werden können. Bei max. 30°C Heizwassertemperatur dauert dieser Aufheizvorgang immer noch zu lange. Wärmepumpen und Brennwertgeräte, die von der Außentemperatur gesteuert werden, arbeiten zwar energiesparend – aber eben „konstant“. Für den Nutzer ist jedoch eine schnell zu regulierende Raumtemperatur das entscheidende Kriterium.

Ziel neuer innovativer Fußbodenheizsysteme muss es daher sein, Heizungen leicht bedienbar zu gestalten und schnell regulieren zu können. Ein weiterer Kernaspekt der Innovationen ist die Kostensenkung. Die Heizung im Jahr 2018 ist nicht nur zu kompliziert, sondern auch zu teuer.

Ziel weiterer Neuentwicklungen muss es daher sein, Bauzeiten zu verkürzen, die Kosten der Wärmeerzeugung zu reduzieren, Betriebskosten zu senken, Wartungskosten zu vermeiden und Wohnflächen zu gewinnen. Moderne Technologie sollte vor allem eins tun: „Das Leben und Arbeiten der Menschen verbessern.“

Für eine verbesserte Fußbodenheizung definieren sich aus diesem Grunde:

a) Weglassen nicht mehr benötigter Anlagenteile

b) geringere Betriebskosten

c) einfache sowie unmittelbare Nutz- und Steuerbarkeit

Die Frage könnte also lauten: „Ist es möglich, auf Heizwasser zu verzichten und ein anderes Medium für den Wärmetransport zu finden?“ Weitere Anforderungen könnten sein: „Weg von der Zentralheizung, hin zur dezentralen Raumheizung. Weitere Eigenschaften einer optimaleren Fußbodenheizung könnten sein: Reduzierung der Estrichmasse, schnellere Wärmeübergabe und Wärmeverteilung zur Überwindung der Nutzungsträgheit.

Quelle: Heizungsjournal 11/2018